Verfasst von: Letzi | September 18, 2007

My House is your House!

Die letzten Tage waren allesamt sehr ereignisreich. Nach der Rueckfahrt aus Palmyra (was sich auf Schwitzerdeutsch zum Totlachen anhoert) starteten wir unsere Hammertour nach Damaskus. Bis zum Abend fuhren wir um 50 km bis zu einer kleinen Stadt neben der Autobahn. In der Hoffnung, endlich mal zelten zu duerfen, legten wir unser Anliegen den Dorfbewohnern dar. Voellig untypisch fuer Syrien empfahlen uns die Leute, ausserhalb des Dorfes etwas zu suchen. Mist! Glueck! In der Steppe versuchten wir es ein weiteres Mal, diesmal bei ein paar Beduinenzelten. Nach zoegerlichem Herantasten unsererseits erschien ein Mann aus dem Zelt und bat uns herein. Wir waren darauf bedacht, zuerst unser Anliegen vorzubringen, aber no chance. Kommt rein und esst alles auf! So deutete ich zumindest die Gesten. Somit sassen wir postwendend bei lecker Milchreis und einem Schafskopf. Ohne dass wir irgendetwas fragen mussten, wurden uns spaeter Matratzen mitten in den Raum gelegt und man bat uns einzunicken. Das Kuriose an der ganzen Sache war, dass neben uns vier Maenner Karten spielten und das Licht sehr hell war. Aber es ging trotzdem! Ich muss gestehen, dies war schon eines der beeindruckensten Erlebnisse bisher.

Verfasst von: PaKu | September 16, 2007

Auf alten Spuren…

Nachdem die ersten Tage ja mehr im Zeichen des Radelns und des Leute kennenlernen stand, widmeten wir uns den letzten 2 Tagen mehr der alten Geschichte. Unser Quartier haben wir in Homs aufgeschlagen, eine Grossstadt zwischen Aleppo und Damaskus. Mit den Raedern und ohne Gepaeck ging es 55 km bis zur Krak de Chevalier. An alter Wirkungsstaette konnten Sir Kunzelot und Sir Letzelot auf der alten Kreuzritterburg in alten Erinnerungen schwelgen. Es hat sich schon Einiges veraendert. Im Vergleich zum 11. Jahrhundert sind die ganzen Raeume nicht mehr wieder zu erkennen, aber der Blick ueber das Land bis hin zum Libanon ist immer noch ueberwaeltigend. Gestern ging es mit dem Bus nach Palmyra, 160km entfernt mitten in der Wueste eine alte Oasenstadt. Der Anblick dort war schon einmalig. Alte Ruinen und Felsen aus dem 4. Jahrhundert. Die Stadt selbst ist halt eine typische Touristadt. Leute werden jeden Tag im Bus angekarrt, verkoestigt, umhergeschippert und wieder weg. So wie man es halt kennt. Wir haben die Nacht mit einem franzoesischem Radler verbracht. Dieser ist vor 6 Monaten in Vietnam losgeradelt und will noch bis nach Beirut zu seiner Freundin. Fuer uns heisst es heute weiter in Richtung Damaskus. 160 km syrische Autobahn mit wieder sicherlich reichlich Gegenverkehr. Ansonsten ist hier seit dem 13. September der Fastenmonat Ramadan angebrochen, das heisst gegessen, getrunken und geraucht werden darf nur noch nach Sonnenuntergang. Das ist wirklich interessant zu beobachten. Als wir in die Stadt „eingeritten“ sind, abends 19 Uhr, war die Stadt wie ausgestorben. Die Leute waren alle am Essen. Zum Essenstart gibt es lautkrachende Kanonenschlaege aus den Moscheen zu hoeren und dazu dann die allueblichen Gebete. Aber fuer uns ist es bisher kein Problem, etwas zu essen oder zu trinken aufzuspueren. Unsere Maegen haben sich wieder erholt, meine kleine Wunde ueber dem Auge ist so gut wie weg. Von daher kann einer zuegigen Weiterfahrt nichts mehr im Wege stehen.

Verfasst von: PaKu | September 14, 2007

Mitfahrer gefunden

Es gibt sie tatsaechlich, Syrer die sich uns anschliessen wollen. Als wir heute von unserem Tagesausflug von der Krak de Chevalier Rast an einer Tankstelle machten, kam mal wieder ein Syrer ganz interessiert auf uns zu und fragte uns zu unserer Tour aus. Er entschloss sich kurzerhand uns auf seinem eigenem syrischem Rad zu begleiten. Schwupps griff er hinter seinen Tresen und praesentierte uns sein Gefaehrt. Fuer uns natuerlich gar kein Problem, nur warten wir immer noch auf ihn, dass er in der Stadt ankommt.

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Verfasst von: Letzi | September 13, 2007

Neuer Plan

Wie abwechslungsreich der Radleralltag ist, zeigt sich in unserer Planung. Die urspruengliche Route wurde ja nun des Oefteren abgeaendert, jedoch denken wir nun einen Masterplan zu haben (vorerst). Wir wollen heute nach Homs, der scheinbar langweiligsten Stadt in Syrien. Von dort aus werden wir Tagesausfluege nach Palmyra und Krak de Chevalliers machen, das Ganze wird wohl zwei Tage in Anspruch nehmen. Sonntag gehts dann nach Damaskus weiter, das wir spaetestens am Mittwoch erreichen moechten. Danach gehts mit dem Zug zur Kueste und wir wollen Richtung Istanbul radeln. Mal sehen, ob wir in einer Woche immer noch denselben Plan haben. We’ll see!

Ansonsten sind wir gestern 90 harte Kilometer bis Hama gefahren, das wir erst im Dunkeln erreicht haben. Die erste Pause am Morgen haben wir bei dem kleinen Jungen auf dem Foto gemacht. Ihr koennt selbst entscheiden, wer duemmer guckt…

Die zwei von der Tanke

Verfasst von: Letzi | September 11, 2007

…und es geht weiter

Seit unserer Ankunft in Aleppo hat sich der Verdauungsgott Montezuma mit uns angelegt. Den ersten Teil der Schlacht scheint er gewonnen zu haben. Wir wurden zu einer Zwangspause genoetigt, um neue Kraefte zu sammeln. Diese Zeit haben wir zum Teil damit verbracht, Aleppo zu besichtigen. Eine Stadt, die zum einen fuer Historiker und zum anderen fuer Psychotherapeuten interessant ist. Es gibt schon einige tolle Sehenswuerdigkeiten hier, wobei der steinalte Souk und die Zitadelle herausstechen. Weitaus interessanter ist es, das Grossstadtleben zu betrachten. Es wird auf die Strasse gerotzt und wir konnten schon Kinder beobachten, die Haehnchen aus uebelriechenden Muelltonnen entwenden wollten, um diese zu verzehren. Ein beliebtes Hobby der hier ansaessigen Autofahrer scheint der vorsaetzliche Mord von Fussgaengern zu sein, oder sind hier alle Fussgaenger suizidgefaehrdet? Was die Lautstaerke dieser Stadt betrifft, so kenn ich nix vergleichbares. Natuerlich muss man sich auf ca. 30 cm total anbruellen, gehupt wird immer, es muss keinen Grund geben. Unser Hostel befindet sich im Viertel mit KFZ-Laeden und die Rush-Hour ist von 22-2 Uhr direkt vor unserem Fenster. Es ist nicht selten passiert, dass ich aus dem Fenster gebruellt habe, leider ohne Erfolg. Trotzdem sind die Syrer auch hier unheimlich nett, auch wenn man selber schlechte Laune hat.

Heute soll es weiter Richtung Sueden gehen. Erst einmal gucken, wie der Koerper mitmacht. We ‘gonna fight you Montezuma!!!

Verfasst von: Letzi | September 9, 2007

Chancenlos

Nach der Mittagspause in Manbij machten wir uns auf die Suche nach einer Gelegenheit zur Mittagsruhe. Patricks Idee, neben einer Muelltonne abzumatten, wurde von ein paar syrischen Jugendlichen verworfen und sie fuehrten uns zu einem recht huebschen Park. Endlich Ruhe und vor allem Schatten, der bei 38 Grad doch recht wichtig wird. Doch wir vergassen, dass wir in Syrien, dem „Country of faboulus Interesting in Strangers“, sind. Nachdem wir uns kurz hingelegt hatten, lauerte uns ein Aufmerksamkeitskommando von drei syrischen Kids auf. Die Vorhut schlug schnell zu, ich versuchte sie noch kurz mit Kaugummis zu beruhigen, doch es gab kein Entkommen. Sie wollten alles wissen und anfassen. Sie sassen auf den Raedern und entledigten uns unseres Equipments. Da sind selbst gut ausgebildete Deutsche, die mit Bravour die Wehrpflicht absolvierten, machtlos. Nach dem syrischen Spaetrupp folgte der Rest der Infantrie. Wir waren umzingelt: Zwei gegen Zwoelf, das ist doch schon ein bisschen unfair. Jedenfalls haben wir den Kampf ueberlebt, da der Feind sich an die Genfer Konventionen hielt und alle Sachen ohne zu murren zurueckgab. Wir schlossen den Frieden von Manbij (7.9.2007) und denken, dass die deutsch-syrischen Beziehungen weiter stabil bleiben, wobei ein Gastfreundschaftsbonus auf der syrischen Seite zu bemerken ist.

Stifte

Verfasst von: PaKu | September 7, 2007

Der erste Kontakt

Tja, wie Sebastian schon schrieb, hatten wir unerwarteten Besuch von tuerkischen Maennern. Was wir da erlebten war einfach nur lustig und einmalig. Ein schwuler Frisoer, ein LKW-Fahrer, ein Soldat, ausgestattet mit 3 Handys und einer Pistole dazu jede Mengen Drogen und ein vierter, der einfach nur mit war. Die Jungs hatten solch einen riesen Joint, so wie man sie sonst nur aus Comicfilmen sieht. Davon rauchten sie 5 Stueck, dazu noch jede Menge Bier und eine Extasy Pille gabs dazu. Ganz stolz praesentierten sie uns alles und boten es natuerlich an. Wir als Sportler haben natuerlich dankend abgelehnt. Wir blieben bei unserem halbwegs kuehlem Bier. Es wurde gelacht, getanzt, tuerkisch und deutsch gelernt und jede Menge Fotos gemacht. Sie sangen tuerkische Lieder und wir mussten natuerlich auch etwas von der deutschen Musikkultur preisgegeben. Also wurde kurzerhand Wolfgang Petry angestimmt. Das ist Wahnsinn, du spielst mit meinen Gefuehlen…. Herrlich. Tja, wie man dann auch auf dem unteren Bild erkennen kann, hatte ich einen kleinen Unfall. Frueh um 4 Uhr bin ich bloed ueber einen Stein gestolpert und habe mir eine kleine Wunde zugezogen. Aber alles halb so schlimm. Bissl Desinfektionsspray, Pflaster drauf und weiter. Mittlerweile sind wir ja schon in Syrien angekommen. Im tuerkischen Grenzort gab es Polizeieskorte bis zur Grenze. Die Formalitaeten dort waren mehr als easy. Unbewaffnete Grenzer in Schlappen wuenschten ein freundliches „Welcome to Syria“. Das ist schon etwas anderes, als wenn man in Deutschland einreist „Weiterfahren!!!“. Uebernachtet haben wir fuer noch nicht mal 3 Euro pro Person. Ueberall wo man hier hinkommt ist man die Hauptattraktion. Man haelt nur kurz an und schon hat man mindestens 5 Leute um sich. Sie lachen und gucken sehr interessiert. Man zeigt, wo man herkommt und wo man hin will. Den anfangs unverstaendlichen Blicken folgen immer Blicke, die einem zeigen, das man gern hier gesehen wird. Mittlerweile haelt man uns auch manchmal fuer Tuerken. Das liegt wahrscheinlich an den super sexy Oberlippenbaerten, die wir uns stehen lassen haben. Man muss sich ja ein bissl den Gegebenheiten anpassen. Wir werden jetzt erst einmal ein paar Stunden hier in Manbij bleiben. Denn bei der Mittagshitzte ist es unertraeglich zu fahren. Wir haben 38 Grad, aber fuer die naechsten Tage ist etwas Abkuehlung angesagt. Dann sind nur noch 36 Grad. Das macht das ganze doch schon gleich etwas ertraeglicher.

Verfasst von: Letzi | September 7, 2007

Spaeter unerwarteter Besuch

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Unsere erste Uebernachtung verbrachten wir neben einem fast fertigen Haus im Zelt. Als eingespieltes Team lief alles geschmeidig ab – Zelt aufbauen, kochen und flupp, Bier auf. So sassen wir gemuetlich bei einem EFES und guckten doof in der Gegend rum. Ploetzlich naeherte sich ein VW Bora mit komischen Gestalten und steuerte auf unsere temporaere Behausung zu. Der Puls wurde staerker und fester – was wollen die? Bewaffnet mit Pfefferspray und Kuechenmesser waren wir bereit, unser Domizil zu verteidigen, falls es soweit kommen sollte. Das Auto hielt und die Arabesk-Mucke droehnte. Es stiegen vier Maenner um die 30 aus und kamen auf uns zu. Dann ging es ganz schnell: Zack, der erste kam auf mich zu und meinte „Salam Aleikum“ und gab mir die Hand. Die anderen kamen dazu und einer von ihnen rauchte den groessten Joint, den ich je gesehen habe.

Super! Also doch kein Stress. Warum geht man eigentlich immer davon aus, dass es gleich Aerger gibt? Der Abend wurde sehr lustig, die Tuerken holten noch Bier und leckeren Kuchen zu spaeter Stunde, rauchten, lachten, sangen und tanzten. Das Foto entstand uebrigens nach Patricks naechtlichem Sturz beim Gang zum Urinal. Ja, die Tuerkei ist schon gefaehrlich…

Verfasst von: Maxi | September 5, 2007

Deutschrap in Anatolien

Der Chef des hier ansaessigen Internetcafés beschallt uns, nachdem er erfahren hat, dass wir Deutsche sind, sofort mit dem passenden Kulturgut – Bushido droehnt nun aus den Boxen des Cafés im türkischen Süden kurz vor Syrien.

Schon am ersten Tag ist es wie immer: Den ganzen Tag wird lustiges, dummes Zeug gequatscht und alles dauert zu lange. So werden nun aus ‘kurz in die Stadt was essen und kurz ins Internet’ gut und gerne mal 5 Stunden. Aber das kennen wir ja. Unser grober Plan für die naechsten Tage ist: Vorbei am Al Assad-Stausee zur Ruinenstadt Palmyre mitten in der Wüste und von dort aus weiter nach Damaskus. Das wird voraussichtlich 1-1,5 Wochen dauern, aber ihr wisst ja wie das ist mit der Zeitplanung…

Toros Ekspresi

Verfasst von: Maxi | September 5, 2007

Wiedersehen macht Freude

Und damit die ganze Welt nicht einfach nur glauben muss, was ich hier an Neuigkeiten von den beiden Orientradlern weitergebe, solang sie keinen Zugriff auf wordpress haben, hier ein Beweisfoto vom Istanbuler Flughafen Sabiha im Nachtrag an Patricks kleine Anekdote zu dem Unfall in seiner Tasche, an dem natürlich Germanwings Schuld hat ;-) . Bei wiedersehens- und vorfreudiger Laune begossen die Beiden des Nachtens ihr Glück. Im Hintergrund ist übrigens die Maschine zu sehen, mit der Patrick gelandet ist und ich wieder gen Berlin aufgebrochen bin. Zum Wohle!

Sterni vs. Beck's

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